Mahnung auf ewig

In Aktion, Gedenkfeier, Geschichte von Christoph Barth

Gedenkfeier zur Reichspogromnacht

Gemeinsam mit Ihrer Religionslehrerin Heike Sonnen nahmen die Schüler*innen der Klasse 10b auf Einladung des Bitburger Bürgermeisters Joachim Kandels an der Gedenkfeier der Stadt zur Reichspogromnacht an der Gedenkstele am Markt teil.
Neben Henri Juda, Mitglied im Arbeitskreis Aufarbeitung der Zeitgeschichte und Gedenken, und dem Rabbiner der freien jüdischen Gemeinde Luxemburgs, bereicherten Loreen Kockelmann und Lina Pes diese Gedenkfeier mit einem Beitrag.
Die beiden Schülerinnen trugen an der Gedenkstele folgenden Gedanken vor:

Vorbeigegangen sind wir alle schon mal, hier an dieser Stelle, ohne das Mahnmal wirklich zu sehen. Im Alltag ist es unbedeutend.
Aber nun stehen wir hier und stellen uns die Frage, was bedeutet es eigentlich?
Auf dem Weg zur Gedenkstele, der durch einen Riss gespalten ist, lesen wir folgende Worte:
verachtet, diffamiert, ausgegrenzt, boykottiert, stigmatisiert, entrechtet, beraubt, vertrieben, deportiert, ermordet.

All dies sind grausame Taten, die die Bitburger Juden sowie viele andere Juden in der Zeit des Nationalsozialismus erleiden mussten.
Heutzutage machen wir uns Sorgen über die steigenden Preise oder Maskenpflicht, ohne zu realisieren, dass vor mehr als 80 Jahren das Leben für die Juden noch ganz anders aussah.
Der Riss soll das noch einmal verdeutlichen. Für uns stellt der Riss etwas Unendliches, etwas Kaputtes, eine Verletzung, vielleicht aber auch den Anfang für etwas Großes dar. Er ist eine Wunde, die für immer bleiben wird. Der Riss führt zu dem Platz, wo die Bitburger Synagoge stand. Diese, so wie viele andere Synagogen in Deutschland, wurden in der Reichspogromnacht durch das Hitlerregime beschädigt,verwüstet oder zerstört. Doch nicht nur Gebetsstätten wurden vernichtet, auch unzählige Juden wurden verachtet, diffamiert, ausgegrenzt, boykottiert, stigmatisiert, entrechtet, beraubt, vertrieben, deportiert, ermordet.

Auf der Stele finden sich die Namen der 22 deportierten Bitburger Juden.
In den Konzentrations- und Vernichtungslagern erhielten die Häftlinge Registrierungsnummern. Diese wurden normalerweise auf der Häftlingskleidung angebracht, in Auschwitz wurden Häftlingen sogar die Nummern tätowiert. Sie sollten keinen Namen mehr tragen, sondern nur noch als Nummern behandelt werden. Doch: Der Name ist das, was von uns bleibt. Der Name reißt uns raus aus der Anonymität. Der Name gibt uns eine Identität. Wenn wir von Menschen sprechen, dann sagen wir ihre Namen.
Und aus diesem Grund möchten wir die Namen dieser deportierten Bitburger Juden nicht nur nennen, wir möchten sie ehren, indem wir ihre Namen laut aussprechen:

Irma Apfel, Elise Barth, Adelheid Ehrlich, Sybilla Joseph, Jakob Juda, Walter Juda, Klara Juda, Johanna Kahn, Jakob Kallmann, Paula Kallmann, Ernst Kallmann, Silve Kallmann, Sophie Kallmann, Else Kallmann, Kurt Kallmann, Leo Kaufmann, Rosa Kaufmann, Max Kaufmann, Josef Levy, Isidor Meier, Sophie Meier, Berta Meier.

Diese Bitburger Mitbürger und Mitbürgerinnen waren alle Menschen wie du und ich, darum wollen wir immer wieder ihre Namen laut aussprechen und sie und ihr Schicksal als Mahnung auf ewig in Erinnerung behalten.


  09.11.2022     Heike Sonnen