„Die Mätthi hat mich eher angezogen als abgeschreckt“

In Neueinstellung, Personalien by Jan Schlueter

Interview mit Eric Christmann

Seit kurzem hat unsere Schule einen neuen stellvertretenden Schulleiter des Gymnasialzweigs.
Doch wer steckt eigentlich hinter der neuen Position? Welche Aufgaben bringt die Position mit
sich und was macht Herr Christmann privat? Um diese und weitere Fragen zu beantworten,
durften wir, Eni Mayer und Toni Löwenthal, zwei Schülerinnen aus der 9a, ein Interview mit ihm führen.

Eni: Hallo Herr Christmann! Möchten Sie sich vielleicht kurz selbst vorstellen?

Herr Christmann: Ja gerne, also mein Name ist Eric Christmann und seit dem 01.09.2026 bin ich
hier als stellvertretender Schulleiter für den gymnasialen Zweig tätig, also der Nachfolger von Herrn
Schommer und ich freue mich sehr auf die Arbeit hier an der Schule!

Toni: Das ist sehr schön. An welchen Schulen haben sie denn vorher unterrichtet?

Herr Christmann: Bevor ich hier hingekommen bin, war ich als Lehrer an einem Gymnasium in Düsseldorf tätig, welches unter jüdischer Trägerschaft steht, was auch etwas ganz Besonderes war. Gebürtig komme ich aber aus Trier, weswegen es für mich immer wichtig war, irgendwann wieder in die Heimat zurückzukommen.

Eni: Wie Sie erwähnen, waren sie an einer Schule unter jüdischer Trägerschaft. Können Sie uns von den Unterschieden oder Herausforderungen erzählen?

Herr Christmann: Ja, zunächst muss man sagen, dass es sich zwar um eine Schule in jüdischer Trägerschaft handelt, der Schulalltag dort aber ganz normal abläuft, wie auch an jeder anderen Schule. Es gibt ganz regulären Unterricht.

Besonderheiten ergeben sich beispielsweise durch die Strukturierung des Schuljahres nach den jüdischen Feiertagen. Die Ferien sind grundsätzlich ähnlich geregelt wie an anderen Schulen. Allerdings kommt man dort nicht zu Weihnachten zusammen, sondern beispielsweise zu Chanukka oder zum Pessachfest. An diesen jüdischen Feiertagen ist dann zusätzlich schulfrei.

Der größte Unterschied liegt meiner Meinung nach im Bereich der Sicherheit. Während wir hier einen offenen und frei zugänglichen Schulhof haben, ist das dort aufgrund des Sicherheitskonzepts leider nicht möglich. Der Schulhof ist von allen Seiten abgesichert, außerdem ist ständig Sicherheitspersonal oder auch die Polizei vor Ort.

Daran muss man sich natürlich erst einmal gewöhnen. Wenn das aber gelungen ist, erlebt man einen weitgehend normalen und schönen Schulalltag.

Toni: Was hat sie dann dazu gebracht, aus Düsseldorf wieder hierhinzuziehen?

Herr Christmann: Sowohl meine Frau als auch ich stammen aus der Region. In Düsseldorf haben wir uns zwar ebenfalls sehr wohlgefühlt, haben uns dann aber gemeinsam dazu entschieden, gerne wieder in unsere Heimat zurückzukehren. Aus beruflicher Sicht gab es keinen konkreten Grund, der uns von Düsseldorf weggezogen hätte. Ausschlaggebend war vielmehr unsere Verbundenheit mit der Heimat.

Eni: Sie sind jetzt an unserer Schule angekommen. Gibt es bereits Pläne für die Zukunft der Schule oder Ideen, die Sie gerne umsetzen möchten?

Herr Christmann: Ideen hat man natürlich immer viele. Allerdings komme ich an eine Schule, bei der man merkt, dass vieles gut funktioniert: Wir haben ein engagiertes Kollegium, ein tolles Schulleitungsteam und ich treffe auf sehr nette Schüler*innen. Ich halte es deshalb für sinnvoll, zunächst die neue Schule richtig kennenzulernen, bevor ich eigene Ideen oder Änderungsvorschläge einbringe. Erst mit der Zeit erkennt man, welche Ideen tatsächlich sinnvoll sind, welche sich vielleicht von selbst erledigen und welche möglicherweise schon einmal ausprobiert wurden, aus bestimmten Gründen aber nicht funktioniert haben. Deshalb denke ich, dass es zunächst wichtig ist, abzuwarten und die Schule in all ihren Facetten kennenzulernen.

Toni: Was machen sie denn gerne so außerhalb der Schule?

Herr Christmann: Ich versuche, viel Sport zu treiben, muss aber zugeben, dass das in arbeitsreichen Wochen häufig zu kurz kommt. Ansonsten ist die Antwort wahrscheinlich eher unspektakulär: Ich treffe mich gerne mit Freunden und Bekannten, verbringe Zeit mit ihnen und schaue auch gerne einmal Serien oder Filme.

Eni: Mit welchen Kolleg*innen verstehen Sie sich denn besonders gut?

Herr Christmann: Ich habe bisher eigentlich nur nette Kolleg*innen kennengelernt. Allerdings konnte ich noch nicht mit allen sprechen. Wenn ihr mir diese Frage in einem Jahr noch einmal stellen würdet, könnte ich euch sicherlich eine genauere Antwort geben. Bisher hatte ich natürlich besonders viel mit den Mitgliedern des Schulleitungsteams zu tun, mit denen ich mich auf jeden Fall sehr gut verstehe. Im Kollegium habe ich außerdem schon häufiger mit Herrn Krecken und Frau Neukirch gesprochen, mit der ich gemeinsam die Klassenleitung der 7b übernommen habe. Aber ich freue mich darauf, nach und nach noch alle kennenzulernen.

Toni: Sie sind jetzt als stellvertretender Schulleiter im Gymnasialzweig tätig. Hat es Sie zunächst abgeschreckt, dass wir hier mehrere Schulformen anbieten und verschiedene Personen in einem Team zusammenarbeiten müssen, damit alles funktioniert?

Herr Christmann: Nein, ganz im Gegenteil! Ich finde das tatsächlich sehr spannend und sehe darin eine interessante Herausforderung. Das Konzept einer kooperierenden Gesamtschule gefällt mir ausgesprochen gut. Die Idee, verschiedene Bildungswege unter einem Dach zu vereinen, finde ich sehr schön. Ebenso wichtig ist mir, dass man sich als eine gemeinsame Schule versteht, auch wenn die Schulformen verwaltungsrechtlich voneinander getrennt sind. Ich habe den Eindruck, dass sich alle als Teil der Mätthi verstehen und sagen: „Ich gehe an die Mätthi.“ Das gefällt mir sehr gut und hat mich eher angezogen als abgeschreckt.

Eni: Sie sind Erdkundelehrer und haben auch einen schönen Globus in Ihrem Büro stehen. Reisen Sie gerne und wenn ja, wohin?

Herr Christmann: Das ist gar keine so einfache Frage. Wir fahren jedes Jahr Ski, das ist eigentlich das Einzige, was sich regelmäßig wiederholt. Im vergangenen Jahr waren wir außerdem in Costa Rica und Indonesien und haben dort jeweils eine Rundreise gemacht. Indonesien ist natürlich so groß, dass wir nur einen kleinen Teil des Landes kennenlernen konnten. Beides waren aber wunderschöne Reiseziele. Es gibt noch so viel zu entdecken, und ich freue mich darauf, noch viele weitere Orte kennenzulernen.

Toni: Wenn Sie sich selbst mit drei Worten beschreiben müssten, welche wären das?

Herr Christmann: Da muss ich jetzt etwas überlegen. Das ist gar nicht so leicht. Ich hoffe, dass mich andere Menschen als zuverlässig beschreiben würden. Vielleicht bin ich hier und da auch etwas schüchtern und gewissenhaft.

Eni: Das sind sehr gute Eigenschaften. Was ist Ihnen im Umgang mit Ihren Schüler*innen besonders wichtig?

Herr Christmann: Auf jeden Fall eine respektvolle und ehrliche Kommunikation. Fachkompetenz und Wissen in den Fächern, die ich unterrichte, kann man entwickeln und dazulernen. Entscheidend ist für mich aber, dass wir offen miteinander kommunizieren und unser Umgang stets von gegenseitigem Respekt geprägt ist.

Natürlich gehört zu meiner Rolle auch, dass ich jemanden beispielsweise wegen fehlender Hausaufgaben oder unentschuldigter Abwesenheit kritisieren muss. Das lässt sich nicht vermeiden. Allerdings bezieht sich diese Kritik immer auf einen konkreten Anlass, also auf eine bestimmte Handlung oder ein bestimmtes Verhalten, das ich nicht gut finde und deshalb anspreche. Das bedeutet aber nicht, dass ich den Menschen dahinter grundsätzlich schwierig finde. Der gegenseitige Respekt ist für mich das Entscheidende.

Toni: Da wir gerade schon bei der Schülerschaft sind: Sie sind hier jeden Tag von Kindern und Jugendlichen unterschiedlichen Alters umgeben, haben aber bisher noch nichts von eigenen Kindern erzählt. Haben Sie denn vor, eine Familie zu gründen?

Herr Christmann: Doch, das steht tatsächlich auf meiner To-do-Liste. 😉

Eni: Wie würden Sie sich selbst als Schüler beschreiben?

Herr Christmann: Das ist natürlich schon ein paar Tage her. Ich glaube, dass ich vom Charakter her eher schüchtern war. Einerseits war ich ehrgeizig, manchmal vielleicht sogar etwas zu ehrgeizig, andererseits waren meine schulischen Leistungen nicht immer entsprechend gut. Das ist keine besonders günstige Kombination. Im Studium hat sich das dann aber noch einmal verändert. Gerade in der siebten, achten und neunten Klasse war ich wohl eher ein mittelmäßiger Schüler und ziemlich zurückhaltend.

Toni: Wollten Sie schon immer Lehrer werden oder hatten Sie früher, wie viele andere, den Wunsch, Polizist oder Feuerwehrmann zu werden?

Herr Christmann: Das ist interessant, dass du das fragst. Tatsächlich wollte ich direkt nach dem Abitur zur Polizei und habe damals auch den Eignungstest absolviert. Ich hätte dort anfangen können. Allerdings hätte ich zu dieser Zeit nach dem Abitur zunächst zur Bundeswehr gehen müssen, was ich aus verschiedenen Gründen nicht wollte. Die Polizei war für mich damals sozusagen eine Alternative.

Ich hätte allerdings eine Stelle in einer fremden Stadt bekommen, in der ich niemanden kannte und die mir auch nicht besonders gut gefiel. Deshalb habe ich mich dagegen entschieden und stattdessen zunächst Erste-Hilfe-Kurse gegeben. Dabei stand ich zum ersten Mal regelmäßig vor Menschen und brachte ihnen etwas bei. Daran musste ich mich anfangs auch erst gewöhnen. Irgendwann hat mir diese Tätigkeit aber so viel Freude gemacht, dass ich mir vorstellen konnte, daraus einen Beruf zu machen. So bin ich schließlich auf die Idee gekommen, Lehrer zu werden.

Heute würde ich die Sache mit der Bundeswehr vielleicht etwas anders betrachten. Als Mensch Mitte dreißig hat man möglicherweise einen anderen Blick darauf als mit 18 Jahren. Damals wollte ich diesen Weg jedenfalls nicht einschlagen.

Eni: Als Sie sich entschieden haben, wieder in die Heimat zurückzukehren: Warum haben Sie sich ausgerechnet für die Mätthi entschieden?

Herr Christmann: Der Wunsch, wieder in die Heimat zurückzukehren, hat natürlich dazu geführt, dass ich mich nach passenden Stellenausschreibungen umgesehen habe. Die Stelle an dieser Schule erschien mir aus mehreren Gründen attraktiv: Zum einen gefällt mir die Region sehr gut, zum anderen hat mich das Schulkonzept überzeugt.

In einer Stellenausschreibung wird ja auch beschrieben, welche Aufgaben und Tätigkeiten mit der Stelle verbunden sind. Interessanterweise waren dort viele Aufgaben aufgeführt, die ich an meiner vorherigen Schule in Düsseldorf bereits übernommen hatte. Dort hatte ich beispielsweise am Vertretungsstundenplan mitgearbeitet. Da die Schule relativ klein war, verteilten sich die Leitungsaufgaben auf weniger Schultern, sodass ich Einblicke in viele unterschiedliche Bereiche gewinnen konnte. Außerdem war ich stellvertretender Oberstufenkoordinator.

Da es sich hier ebenfalls um eine Leitungsposition im Gymnasialzweig handelt, passte das sehr gut. Allerdings gibt es zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durchaus einige Unterschiede, in die ich mich nun Schritt für Schritt einarbeite.

Toni: Was hat Sie dazu gebracht, Erdkunde, Sport und Physik zu unterrichten?

Herr Christmann: Sport hatte ich bereits als Leistungskurs und es hat mir schon immer sehr viel Spaß gemacht. Die Möglichkeit, dieses Interesse auch in meinen Beruf einzubringen, fand ich deshalb besonders reizvoll. Außerdem finde ich es toll, wenn man eine Klasse in zwei verschiedenen Fächern unterrichtet, weil man die Schüler*innen dadurch noch einmal von einer ganz anderen Seite kennenlernt.

Für Erdkunde habe ich mich entschieden, weil ich es für eines der allgemeinbildendsten Fächer halte. Viele Themen, über die wir beispielsweise in den Nachrichten berichten, haben unmittelbar oder mittelbar mit Erdkunde zu tun, auch wenn man das auf den ersten Blick vielleicht gar nicht vermutet. Genau das finde ich besonders spannend.

Später habe ich dann noch die Unterrichtserlaubnis für Physik als drittes Fach erworben. Physik hat mich eigentlich schon immer interessiert. Als sich die Gelegenheit bot, mich in diesem Bereich weiterzubilden, habe ich sie deshalb gerne genutzt. Ich darf Physik bis zur zehnten Klasse unterrichten.

Eni: Was war bisher eines Ihrer schönsten Erlebnisse als Lehrer?

Herr Christmann: Es gab natürlich schon viele schöne Erlebnisse, deshalb muss ich ein wenig überlegen. Was mir spontan einfällt, ist eine Skifahrt, die ich an einer früheren Schule begleitet habe. Unter den teilnehmenden Kindern waren auch einige, die aus der Ukraine geflüchtet waren und bereits einen schwierigen Weg hinter sich hatten. Manche von ihnen waren noch nie oder schon sehr lange nicht mehr im Urlaub gewesen.

Eine Skifahrt ist zwar nicht unbedingt mit einem klassischen Urlaub vergleichbar, aber diese Kinder waren zuvor noch nie Ski gefahren. Als sie am dritten Tag schließlich gemeinsam mit mir eine richtige Piste hinunterfahren konnten und dabei den Blick ins Tal genießen durften, war das ein ganz besonderer Moment. Zu sehen, was sie in dieser kurzen Zeit gelernt hatten und wie sehr sie sich darüber freuten, hat mich sehr bewegt.

Es kommt nicht so häufig vor, dass sich eine Schülerin oder ein Schüler anschließend persönlich bei einem bedankt und man ein so aufrichtiges Dankeschön bekommt. Das war für mich auf jeden Fall ein besonders schönes Erlebnis.

Toni: Jetzt noch eine etwas ungewöhnliche Frage, die auch uns betrifft: Wie merken sich Sportlehrer eigentlich die Namen ihrer Schüler*innen?

Herr Christmann: Das ist tatsächlich nicht so einfach, und da bin ich ganz ehrlich. Im Klassenraum fällt es mir deutlich leichter, weil es dort eine feste Sitzordnung gibt. So kann ich mir relativ gut merken, welcher Name zu welchem Platz gehört. Im Sportunterricht ist das Ganze wesentlich schwieriger. Dort brauche ich meistens etwas länger, bis ich mir die Namen der meisten Schülerinnen und Schüler eingeprägt habe. Ich gehe deshalb nach jeder Stunde noch einmal eine Namensliste durch und versuche, mir die Namen einzuprägen. Meistens ist es allerdings so, dass man sich die Namen derjenigen am schnellsten merkt, die einem aus irgendeinem Grund besonders auffallen.

Eni: Das war auch schon unsere letzte Frage. Vielen Dank für das Interview! Es hat uns viel Spaß gemacht, und wir wünschen Ihnen einen guten Start an unserer Schule!


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  30.10.2026  Eni Mayer und Toni Löwenthal, Klasse 9a   Toni Löwenthal, Klasse 9a