Von wegen „alte Steine gucken“!

In Exkursion, Geschichte, Latein von Lisa Strohe

Besuch des Archäologieparks Römische Villa Borg

Noch etwas müde, aber frohen Mutes stiegen die Schülerinnen und Schüler des Fachbereiches Latein aus den Jahrgangsstufen 7 bis 9 am Morgen des 12.3.2019 in den Bus – Zielort: der Archäologiepark Römische Villa Borg. Nahe dem Dorf Oberleuken bei Perl-Borg im Landkreis Merzig-Wadern befindet sich eines der spektakulärsten Zeugnisse der Römerzeit in der damaligen Provinz Gallia Belgica. Um 1900 fand man dort Überreste eines mittelgroßen römischen Landgutes (villa rustica). Der Fundort wurde jedoch erst ab 1987 intensiv wissenschaftlich erforscht.
In einer villa rustica waren damals bis zu 50 Arbeitskräfte, überwiegend Sklaven, beschäftigt. Die Funde geben uns nicht nur Aufschluss über die Architektur, die landwirtschaftliche Produktion und das antike Handwerk, sondern auch über das gesellschaftliche Leben und den Alltag in den römischen Provinzen. Das Besondere an dieser Anlage ist, dass die Gebäude und Außenanlagen aufwendig rekonstruiert und wieder aufgebaut worden sind – „Geschichte zum Anfassen“, die auch unsere Schülerinnen und Schüler an diesem Tag erleben sollten.
Bereits der Gang durch das Torhaus war trotz des regnerischen Wetters ein wahrer Augenöffner. Vor uns sahen wir das wiederaufgebaute Herzstück einer römischen villa rustica. Bei unserer Ankunft wurden wir herzlich begrüßt vom Sklaven Jatros, dem Arzt des Hauses. In dieser Rolle führte uns Günter Wolf, begeisterter Sammler und Kenner des römischen Lebens speziell in Gallien, durch einen interessanten und schönen Tag. Das Programm bestand aus einem „römischen Backmodul“ und einer lebhaften und spannenden Führung durch die Villenanlage.
Beim Backmodul kamen die Schülerinnen und Schüler wortwörtlich „auf den Geschmack“. Ort des Geschehens war die rekonstruierte Küche der Anlage, in der auch wissenschaftlich belegte Ofentypen verbaut waren. Wir durften typische Backrezepte, Gewürze, die mühsame Herstellung von Mehl und die verwendeten Getreidesorten kennen lernen. Auch gab es eine ofenfrische Kostprobe der römischen Version unserer geliebten Brötchen. Unter fachkundiger Anleitung eines gelernten Bäckers wurden neue Brötchen geknetet und der Teig für das berühmte panis militaris, das römische Soldatenbrot, angerührt. Die Backzeit vertrieben sich die Schülerinnen und Schüler, indem sie die Küche weiter erkundeten oder sich Duelle beim römischen Rundmühlenspiel lieferten. Noch schneller war das panis militaris verkostet, weil es einfach hervorragend schmeckt!
Die Führung durch die Villenanlage begann bereits mit einem beeindruckenden Anblick – der Empfangshalle des Herrenhauses, die sich über zwei Stockwerke erstreckt. Weiter ging es durch die Wohnräume der hohen Damen und Herren. Hier zeigte eine Ausstellung vor allem liebevoll angefertigte Gegenstände des täglichen Gebrauchs wie Kämme, Spangen, Figuren von Göttern und Münzen. Die nächste Station waren die sanitären Anlagen der Villa. Die Besichtigung der Latrinen sorgte für einige Erheiterung. Denn Jatros schilderte uns, dass diese kein „stilles Örtchen“ waren, sondern häufig gemeinschaftlich genutzt wurden. Daher waren sie auch ein Ort für angeregte Unterhaltungen und zur Pflege von Geschäftsbeziehungen.
Den Höhepunkt bildete die Besichtigung der Badeanlage. Bei der Besichtung wurde direkt klar, dass hier inmitten der gallischen Provinz nicht nur auf Hygiene geachtet wurde, sondern ein Ort des römischen Lebens fern der Hauptstadt geschaffen wurde. Die Bäder zeigen auf unvergleichliche Weise und nach allen Regeln der Kunst die römische Badekultur. Die Anlage ist in die typischen Einzelräume apodyterium (Umkleidekabine), frigidarium (Kaltwasserbad), caldarium (Heißwasserbad) und tepidarium (Wärmeraum) gegliedert. Prachtvoll und mit Marmor gestaltet wirkten die Räume auf uns nicht wie ein Bad, sondern wie ein Wellness-Tempel. Lebendig und detailliert schilderte uns Jatros die Badekultur und alltägliche Hygiene. Auch Beauty-Tips zur Herstellung von Schminke und Parfum durften nicht fehlen. Denn Kosmetikartikel gehörten auch damals zum Alltag der Oberschicht.
Wir freuen uns, dass wir die Chance hatten, diese besondere Anlage zu besuchen. Es war insgesamt ein gelungener Tag, der uns in guter Erinnerung bleiben wird.

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    Laurenz Schneiders