Chakalaka

In Autorenlesung, Vortrag von Jan Schlueter

Ibrahima Ndoffène Ndiaye erzählt

Ungewöhnliche Klänge dringen von der Aula durch das gesamte Schulgebäude: Trommeln, Klatschen und unverständliche Laute hallen durch die Flure des Schulzentrums. Im Rahmen der alljährlichen Autorenlesung für die sechsten Klassen ist ein Gast da, der nicht nur aus seinen Werken vorliest, sondern die Schüler*innen gut gelaunt und energiegeladen aktiv an seiner Kultur teilhaben lässt.

Denn am Freitag, 29.04.2022, hatten wir nach vierjähriger Pause erneut Besuch von Ibo, dem afrikanischen Geschichtenerzähler. Ibo heißt mit vollem Namen Ibrahima Ndoffène Ndiaye und er stammt aus dem Senegal, dem einzigen Land der Welt, das auf „egal“ endet, wie er augenzwinkernd sagt. Ibo ist studierter Germanist und arbeitet als Schauspieler, Humorist, Geschichtenerzähler, Buch- und Musicalautor und vielem mehr.

Ibo beginnt zu erzählen und nimmt die Kinder mit, fasziniert tauchen wir ein in die bunte Welt Afrikas und seiner persönlichen Geschichten, denn Ibo ist mit ganzem Körper und ganzer Seele dabei. Er schnappt sich die Jembe und erklärt mit der Trommel, wie die Frauen im Senegal die Hirse stampfen und dass die Babys, die die Mütter auf dem Rücken tragen, dabei gar keine andere Chance haben als mitzuschaukeln im Takt und Rhythmus im Blut zu haben, denn sonst würden sie in einem Bogen kotzen. Afrika, sein geliebtes Heimatland, zeigt Ibo auf einer Karte und lässt die Kinder raten, welchem Körperteil welchen Tieres der Umriss des Landes ähnelt. Das ist schnell geklärt, natürlich einem Elefantenohr und Madagascar ist dann eine Erdnuss. Und so schwenkt Ibo weiter zum herrlichen afrikanischen Essen, das er mit großer Liebe beschreibt, er schildert den Kindern in den herrlichsten Farben, wie gut Gemüse, Muscheln und frischer Fisch im Senegal, das am Meer liegt, schmecken und dass er entsetzt war von den panierten Legoklötzen, die ihm in Deutschland als Fisch "verkauft" wurden.

„Ich weiß, warum Du lachst, Du Gangster!“, wirft er Alejandro aus der 6c entgegen und lässt gleich darauf alle Anwesenden eine Begrüßung auf Kisuaheli sprechen. Dann wird gemeinsam gesungen und getrommelt, Ibo bringt junge Damen der 6b dazu, völlig ungeniert und rasend schnell auf dem Boden der Aula als afrikanische Insekten zu krabbeln. Einfach alle sind angesteckt von seiner guten Laune und machen alles mit! Und seine Geschichten? Ja, die liest Ibo nicht einfach ab, nein, die durften wir nachspielen und dazu musizieren. Begleitend mit Trommeln, aktiven Bewegungen und einer Menge Spaß, gelingt es Ibo, die Schüler*innen dort abzuholen, wo sie zu begeistern sind. Beim Singen und Tanzen des afrikanischen Friedens- und Willkommensliedes „Funga Alafia Ashe Ashe“ fängt die Aula der Schule an zu beben. „Ihr seid in meinem Lieblingsalter“, wiederholt er mehrmals in freudiger Tonlage. Das Miteinander ist von Anfang bis zum Ende von positiven und humorvollen Wortspielen geprägt. „Chakalaka!“ heißt es immer wieder. Ein afrikanischer Ruf, um alle anzufeuern und zu motivieren, so auch während seiner kreativen und fantasiereichen Geschichte.

„Jadaba war eine bekannte Bäuerin“ sind die ersten Worte der Geschichte, nachdem die Schüler*innen in verschiedenste fantasiereichen und kreative Rollen eingeteilt wurden. Sie handelt von einem verrückten Traum der fleißigen und arbeitswütigen Bäuerin Jadaba. „Ich brauche noch zwei freche Affen“, ruft Ibo den Lehrkräften zu. Die Wahl fällt rasant auf die beiden größten Plaudertaschen der Klassen. Von Ziegen und Kühen, Kochtöpfen und Bügelbrettern bis hin zu fliegenden T-Shirts, Prinzessinnen und alten Säcken wurden die verrücktesten Rollen verteilt. Begleitend von afrikanischen Rufen und der angenehmen Leserstimme des Autors Ibo spielen alle gemeinsam die interaktive Geschichte nach. Mit einem großen Strahlen im Gesicht, Gelächter und freudigen Kommentaren verabschieden sich alle von Ibo. Auch er verabschiedet mit einem großen Dankeschön. „Ich liebe meine Arbeit“, entgegnet er. Seine Leidenschaft und Freude zu seinem Beruf wird in den Stunden, die wir mit ihm verbringen durften, mehr als deutlich.

Bitte, Ibo, komm bald wieder!

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 29.04.2022  Catrin Stecker, Celine Reifer  Heike Berg, Celine Reifer, Catrin Stecker