42609 ist nicht irgendeine Nummer

In Schulpastoral, Vortrag von Jan Schlueter

Begegnung mit Henri Juda, dem jüdischen Luxemburger und Gründer der MemoShoah

Henri Juda ist ein luxemburgischer Jude, dessen familiären Wurzeln in Bitburg liegen. Er ist Mitglied des Bitburger Arbeitskreises „Aufarbeitung der Zeitgeschichte und Gedenken" und wurde im Rahmen des Jubiläums "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" vom der Schulseelsorge eingeladen, von seiner berührenden Familiengeschichte zu erzählen. Seine Mutter war Überlebende vom Konzentrationslager Auschwitz, seinem Vater gelang eine abenteuerliche Flucht vor den Nazis.

Henri Juda beeindruckte mit seinem lebendigen Vortrag die 120 Zuhörer:innen. Dabei ging er auch auf die jahrhundertelange Verfolgung und Diskriminierung der Juden ein, berichtete von der wechselvollen jüdischen Geschichte in unserer Region und verband dies mit seiner Familiengeschichte. Am Ende seines Vortrages nahm er sich noch Zeit, mit den Schüler:innen der 10d zu sprechen und bot allen Teilnehmer:innen an, ihn per E-Mail zu kontaktieren - dies taten die Schüler:innen auch, wie er im Nachgespräch berichtete.

Am Beispiel seiner Großeltern und Eltern zeigte er auf, wie sich das jüdische Leben zu Beginn des letzten Jahrhunderts wandelte und in der schrecklichen und unmenschlichen Katastrophe der Shoah endete.

Gerade die Erlebnisse von Herrn Judas Mutter Jeanne brannten sich in das Gedächtnis der Schüler:innen ein. Diese ganz konkrete Auseinandersetzung mit dem Einzelschicksal hat ihnen die Zeit der NS-Schreckensherrschaft näher gebracht.

Auschwitz bekam durch dieses Einzelschicksal ein Gesicht – 42609 ist nicht irgendeine Nummer – 42609 ist Jeanne, die 1943 nach Auschwitz deportiert wurde, die medizinische Experimente ertragen musste, deren neugeborenes Baby nur eine Woche leben durfte und dann vor ihren Augen verbrannt wurde, die 1945 auf den grauenvollen Todesmarsch geschickt und letztendlich von der Roten Armee befreit wurde.

42609 ist Jeanne, die folgende Worte schrieb: „Nun, ich überlebte. Das „wie“ und „warum“ ist mir heute noch oft ein Rätsel. Alles war ausgelöscht. Mein Kind – Asche – mein Mann – Asche – meine Mutter – Asche – Asche von Auschwitz. Und doch ging das Leben weiter. Wir sind eine glückliche Familie und doch nistet in mir die ewige Angst: bin ich das wirklich.“ (Brief von 1969)


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 23.05.2022   Heike Sonnen  Heike Sonnen